Eine kleine Sensation erlebte die Kirchengemeinde Weddingstedt bei den Sanierungsarbeiten an der St. Andreas-Kirche,einer der ältesten Kirchen in Dithmarschen: Hinter einer Vormauerung im Westteil der Kirche fand sich die ursprüngliche Wand wieder, und diese war, und das ist das Wunderbare, in leuchtendem Blau verputzt. Aus dem Jahr 1870 stamme der gefärbte Putz, erklärte Hilmar Röder, Vorsitzender des Fördervereins „Unsere Kirche (in) Weddingstedt“. Die Farbe habe früher als heilige Farbe gegolten.
„Die blaue Wand war immer schon da“, sagt Röder. „Aber sie war halt – wie die ganze Kirche – unheimlich feucht. Und da hat man einfach eine Mauer davor gesetzt.“ Nach Abbruch der Vormauerung entdeckte man die maroden Tragebalken für die Empore, die nun neue Stützen benötigten. Diese Feuchtigkeit – und die Fehler, die vorangegangene Generationen machten, um sie zu beheben – sie ist es auch, die den Förderverein, den Kirchenvorstand und das Nordelbische Kirchenamt, das bei größeren Aufgaben unterstützt und berät, in Atem hält. Angefangen habe das alles mit der Überlegung, dass man die Kirche mal wieder streichen wolle, erzählt Hilmar Röder. Aber dann waren hier und da Probleme aufgetreten, die Feuchtigkeit, so entdeckten die Handwerker, war nicht nur im Innenputz zu spüren, sondern sie hatte ihre Ursache ganz woanders: Die mächtigen Stützpfeiler außen hatten das Wasser direkt ins Kircheninnere geleitet: Die schweren Eichenbalken waren marode, der Dachstuhl musste saniert werden. Ganze Taubennester habe man mit den Händen aus dem angegriffenen Holz ziehen können.Der ebenfalls marode Dachreiter mit Stützbalken wurde mit einem Kran aus der Dachkonstruktion herausgehoben, saniert und wieder aufgesetzt. Mehrere Hunderttausend Euro hat das Ganze bereits gekostet, und weitere Arbeiten an Altar, Taufbecken und Orgel stehen noch an.
Aber kleine Wunder wie die Entdeckung der blauen Wand machen Mut und stählen den Ehrgeiz, das großartige Gotteshaus zu erhalten. „Zunächst war nur ein Stein in der Vormauerung lose“, erinnert sich Hilmar Röder, „und dann sahen wir, dass die Wand dahinter blau war.“ Inke Raabe